Inhalt

Stichtag: 16. März 1981 - Abriss des Firmengebäudes Stams

Publiziert am

Eines der ältesten inhabergeführten Geschäfte Wesels war die 1836 als Bierbrauerei gegründete Firma Stams. Der Firmengründer Johann Stams hatte dazu die schon bestehende Brauerei Kattepohl, eine von mehreren Brauereien der alten Hansestadt, übernommen und bot nun selbst obergäriges Bier an. 1850 kaufte Stams die traditionsreichen und noch heute mit seinem Namen verbundenen Grundstücke auf dem Dudel und an der Sandstraße. Dort erinnert eine Gedenktafel an Haus Nr. 15 an die Ursprünge des Familienbetriebs. 1870 verstarb der Firmengründer, wie viele andere Weseler auch, an den Schwarzen Pocken. Zu dieser Zeit erlebte das Brauereigewerbe in Wesel einen deutlichen Aufschwung. So waren die Einnahmen der Stadt aus der Braumalzsteuer in den vier Jahren von 1867 bis 1870 in Wesel um über 140 Prozent angestiegen.

Nach 1880 verfügte die Firma „Wwe. J. Stams & Söhne“, betrieben von der Witwe Elisabeth (geb. Nagel) und ab 1888 auch von ihren drei Söhnen Carl, Hugo und Robert, außerdem über eine moderne Fabrikanlage zur Herstellung von Roheis, das die einfache Herstellung von untergärigen Lagerbieren ermöglichte. Ab 1902 boten die Stams in der Sandstraße eine bald sehr beliebte Schankwirtschaft an, was wohl auch damit zu tun hatte, dass die Weseler Brauereien ab der Jahrhundertwende den immer stärkeren Druck der Großbrauereien zu spüren bekamen und den Betrieb auf andere Bereiche ausdehnen mussten. So wurde über die Jahre die Produktpalette außerdem durch die Fabrikation alkoholfreier Getränke (ab 1922) und durch den Vertrieb von Branntwein und Likör (ab 1928) erweitert. Die Schankwirtschaft in der Sandstraße war schon 1911 erheblich erweitert worden. Ein modernes Sudhaus kam ab 1927 zum Einsatz.

Nach der völligen Zerstörung Wesels 1945 und damit auch der Brauerei und der Schankwirtschaft der Familie Stams setzte bald nach Kriegsende ein beispielloser Wiederaufbau ein. Als einer der ersten Betriebe der Nachkriegszeit hat auch Stams in Wesel wieder Fuß gefasst und betrieb die erste, wenn auch improvisierte Produktionsstätte im Stadtzentrum nach dem Krieg. Karl Stams – ein Enkel des Firmengründers – hat den Brauereiausschank auf das Grundstück des ehemaligen Brauereigebäudes auf dem Dudel verlegt und bald zu einem beliebten Treffpunkt sowie Mittelpunkt des Gedenkens an Alt-Wesel ausgestaltet. Viele Erinnerungsgegenstände an die Zeit um die Jahrhundertwende sind hier ausgestellt worden. Es waren aber vor allem die vielen persönlichen Erinnerungen und Anekdoten, die die Schankwirtschaft zu einem beliebten Treffpunkt machten. 1948 wurde auch der Produktionsbetrieb, der mittlerweile vor allem Bier und alkoholfreie Getränke abfüllte, wieder an den traditionsreichen Ort auf dem Dudel umgelegt. Das noch vielen Weselern bekannte Gebäude mit dem markanten Giebel entstand. Eva Brinkman schuf dafür die bekannte Figur des legendären Königs Gambrinus, der oft als Erfinder des Bierbrauens bezeichnet bzw. eher verklärt wird.

Karl Stams hatte sich schon vor 1945 für Coca-Cola interessiert. Das 1886 in Atlanta/USA kreierte Getränk war bei amerikanischen Soldaten sehr beliebt und so auch in Deutschland bekannter geworden. 1949 bewarb Karl Stams sich in Essen um eine Konzession. Schon am 5. November 1950 verließ der erste Wagen mit dem berühmten Coca-Cola-Schriftzug den Hof und verkaufte an diesem Tag fünf Kisten mit je 24 Flaschen des Erfrischungsgetränks. Im Zuge der Konzessions-Erteilung, wohl um das notwendige Kapitel zu beschaffen, sorgte Stams für die Gründung der „Standard Getränke Stams & Co. GmbH“, die aber auch in Familienbesitz verblieb. Um die immer weiter steigende Nachfrage nach den Produkten des Coca-Cola-Imperiums bedienen zu können, entschied sich die Familie Stams zu einer großen Erweiterung der Produktionskapazitäten. Im März 1967 ging so eine moderne Produktionsanlage in Betrieb, die 20.000 Flaschen pro Stunde befüllen konnte.

Nachdem schon 1973 der Brauereiausschank, der zuletzt auch nicht mehr von Stams betrieben wurde, geschlossen werden musste, kam es nach heftigen Debatten auch im Stadtrat im Sommer 1980 zum Beschluss, das Erkergebäude der Firma Stams auf dem Dudel abzureißen. Hintergrund war der Bau einer neuen Einkaufspassage („Dudelzentrum“) mit einer Geschäftsfläche von annähernd 7.500 Quadratmetern. Die Zufahrt zur geplanten Tiefgarage war ohne den Abriss nicht zu bewerkstelligen, da sonst die Zufahrt zu den unterirdischen Stellflächen zu schmal geworden wäre. Am 16. März 1981 wich das markante Gebäude den Baggern.

Die Geschichte der ehemaligen Brauerei Stams steht für einen Weseler Familienbetrieb, der sich stets den Herausforderungen neuer Zeiten anpasste, dabei aber auch die Tradition sowie die Erinnerung an Alt-Wesel bewahrte. Ende 2014 stellte der Betrieb – zuletzt an der Nordstraße 3 gelegen als Teil der Bitburger Brauereigruppe und bekannt durch die Vesalia-Quelle – nach fast zweihundertjähriger Geschichte den Betrieb endgültig ein.