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Todestag des Ehrenbürgers Ernest Kolman und Veröffentlichung des Films „Ernest Kolman – Erinnern gegen das Vergessen“

Porträt von Ernest Kolman

Vor einem Jahr erreichte die Stadt Wesel die traurige Nachricht, dass ihr Ehrenbürger Ernest Kolman am 11. Januar 2021 im Alter von 94 Jahren in London verstorben ist. Die Nachricht vom Tod des Weseler Ehrenbürgers übermittelte sein Sohn Timothy M. Kolman aus den USA. Menschen aus vielen verschiedenen Regionen trauerten mit. So bekundeten zahlreiche Freunde und Bekannte des Ehrenbürgers aus Amerika, Irland, Großbritannien und aus unterschiedlichen Landesteilen Deutschlands ihr Mitgefühl in einem digitalen Kondolenzbuch der Stadt Wesel. Zudem wurde für den 18. Januar 2021 Trauerbeflaggung am Rathaus angeordnet.

Ernest Kolman war ein wichtiger Zeitzeuge zur Geschichte der Juden in Wesel. Er setzte sich unermüdlich gegen Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Vorurteile, Hass und Gewalt ein. Mit dem Film „Ernest Kolman – Erinnern gegen das Vergessen“ sowie einer Kurzfassung des Films (Interview mit Bürgermeisterin Ulrike Westkamp) werden seine Erinnerungen für nachkommende Generationen bewahrt.

Anlässlich seines Todestags sind die Filme ab sofort frei zugänglich auf der Videoplattform YouTube auf dem städtischen Kanal, www.youtube.com/c/StadtWeselKanal, zu sehen.

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Die Idee zum Film

Ernest Kolman hält vor Schülerinnen und Schülern einen Vortrag.

Bereits im September 2016 entstand die Idee, einen Film mit Ernest Kolman zu drehen, um dessen Erinnerungen an seine Geburtsstadt und sein durch die Gräuel des Nationalsozialismus geprägtes Leben in einer lebendigen und in Zukunft immer wieder nutzbaren Form zu bewahren.

Der Filmemacher Stephan de Leuw wurde beauftragt, mehrere Drehtage mit Ernest Kolman in Interviewsituationen, bei Gesprächen zu verschiedenen Anlässen und bei Vorträgen zu filmen, z. B. zum 9. November 2016.

Darüber hinaus wurde 2017 in Köln, u. a. an der ehemaligen Schule von Ernest Kolman und an der letzten Wohnung der Familie Kolman, gedreht.

Um wichtige Dokumente zu filmen und Ernest Kolman in seiner häuslichen Umgebung zu zeigen, sind Stephan de Leuw und Norbert Terfurth vom Jüdisch-Christlichen Freundeskreis für einen Drehtag zu Ernest Kolman nach London geflogen.

Der Kern des Films ist ein Interview mit Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp in der Weseler Zitadelle. Darin erzählt Ernest Kolman von den Ereignissen, die ihm während der NS-Zeit widerfahren sind. Untermalt wird seine Geschichte mit Bildern aus der damaligen Zeit.

Aus dem mehrstündigen Rohmaterial ist ein eindrucksvoller, 45-minütiger Film entstanden. Dieser wurde bisher nur in Schulen und in öffentlichen Veranstaltungen gezeigt.

Für Forschungszwecke ist es möglich, sich das gesamte Rohmaterial im Stadtarchiv anzuschauen.

Filmvorführung/Premiere

Ratssaal bei der Premiere des Films "Ernest Kolman - Erinnern gegen das Vergessen"
Premiere des Films "Ernest Kolman - Erinnern gegen das Vergessen" im Ratssaal der Stadt Wesel am 22.September 2018

Zur Premiere des Films am 22. September 2018 besuchte Ernest Kolman im hohen Alter von 92 Jahren erneut seine Heimatstadt Wesel. Alle Stühle im Weseler Ratssaal waren belegt. Über 200 Personen sahen den Film. Neben Tränen gab es viel Applaus für Wesels Ehrenbürger.

Zur Person Ernest Kolman

2016 wurde Ernest Kolman zum Ehrenbürger der Stadt Wesel ernannt.

Ernst Kohlmann, so sein ursprünglicher Name, wurde am 1. Juni 1926 in Wesel geboren. Hier besuchte er die Volksschule. Nach dem Umzug der Familie nach Köln 1934 war er Schüler der Städtischen Israelitischen Volksschule in der Lützowstraße. Anschließend besuchte er das Jüdische Realgymnasium Jawne in Köln. Am 18. Januar 1939 kam er mit dem ersten Kindertransport, den das Jawne-Gymnasium organsiert hatte, nach England und entging so dem Konzentrationslager. Seine Eltern sah er nie wieder. Sie wurden am 4. Dezember 1941 aus Köln deportiert und im Juli 1944 in Riga ermordet. Seine ältere Schwester Margrit überlebte verschiedene Konzentrationslager. Sie ging nach Amerika und lebte bis zu ihrem Tod 2016 in Chicago.

Ernst Kohlmann anglisierte seinen Namen in Ernest Kolman und nahm 1947 die britische Staatsangehörigkeit an. Er machte sich als Maler und Dekorateur selbstständig und bekam mit seiner Frau Eva einen Sohn und eine Tochter. Die Familie lebte in London. Seine Ehefrau starb im Jahr 2013. Bis zu seinem Tod lebte Ernest Kolman in seinem Haus in London.

Nach eigenem Bekunden kam Ernest Kolman immer wieder gerne nach Wesel. Er hat hier Freunde und Bekannte gefunden und pflegte rege Kontakte, unter anderem zum Begründer des Jüdisch-Christlichen Freundeskreises Wesel e. V., Günter Faßbender. Der damalige Weseler Stadtdirektor hatte 1988 den Anstoß gegeben zur offiziellen Kontaktaufnahme mit ehemaligen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern Wesels.

1988, zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome, folgte Ernest Kolman der Einladung der Stadt Wesel. Zum Gedenken an die Verfolgung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung in Wesel wurde seinerzeit am Willibrordi-Dom ein Mahnmal eingeweiht. Aus diesem Anlass hatte die Stadt die noch lebenden ehemaligen jüdischen Weseler Bürgerinnen und Bürger eingeladen.16 ehemalige jüdische Bürger Wesels folgten der Einladung. Seit diesem Zeitpunkt kam Ernest Kolman regelmäßig nach Wesel. Bis zu seinem Tod hat er seine Heimatstadt mehr als 30 Mal besucht.

In dieser Zeit hat Ernest Kolman sich mit großem Engagement der Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit in Wesel gewidmet. Als Zeitzeuge berichtete er von der Verfolgung in der NS-Zeit und von der Geschichte der Juden im Dritten Reich. Er besuchte Schulen, Museen, Vereine und viele andere gesellschaftliche Gruppen. Vor allem mit jungen Menschen sprach er intensiv, um die Erinnerung an den Holocaust wachzuhalten. Ernest Kolman wurde nicht müde, über das Schicksal seiner Familie und das der Juden zu berichten, aufzuklären und zu mahnen.

Im Juni 2016 wurde er in einer Sondersitzung des Rates, zu seinem 90. Geburtstag, zum Ehrenbürger der Stadt Wesel ernannt. Es ist die höchste Auszeichnung, die die Stadt Wesel zu vergeben hat.

Bei seinen Aufenthalten in Wesel standen für den Ehrenbürger Ernest Kolman immer Besuche bei alten Wegbegleitern und ein Einkaufsbummel in der Innenstadt auf dem Programm. Gerne wohnte er während seiner Aufenthalte im Hotel Kaiserhof.