Inhalt

Stadtgutschein Wesel – bereits vor 100 Jahren eine große Hilfe

Wer in Wesel einkaufen möchte, kann seit November 2020 von einem städtischen Zuschuss profitieren. Der Rat der Stadt Wesel hat am 9. März 2021 beschlossen, den bezuschussten Stadtgutschein bis zum 30. Juni 2021 zu verlängern. Dazu brauchen Interessierte den Weseler Stadtgutschein. Gezahlt werden lediglich 80 Prozent des Gutscheinwerts. Die übrigen 20 Prozent bezuschusst die Stadt Wesel. Wer zum Beispiel einen Gutschein in Höhe von 100 Euro haben möchte, muss lediglich 80 Euro bezahlen. Der Stadtrat hat nun auch beschlossen, dass pro Person bezuschusste Gutscheine bis maximal 400 Euro ausgegeben werden. Wer bereits Gutscheine im Wert von 200 Euro erworben hat, kann ab dem 12. März 2021 weitere Gutscheine bis 400 Euro erwerben.  Mit dem Stadtgutschein Wesel wird dem Einzelhandel in der Hansestadt Wesel am Rhein geholfen. Insgesamt stellt die Stadt Zuschüsse in Höhe von einer Million Euro zur Verfügung. Dadurch fließen allein aus dem Gutscheingeschäft fünf Millionen Euro in den Einzelhandel vor Ort. Bei über 90 lokalen Unternehmen und Geschäften können die Gutscheine eingelöst werden.

Die Idee, mit Gutscheinen den Menschen und dem Einzelhandel vor Ort zu helfen, ist in Wesel über 100 Jahre alt. Damals fungierten die Gutscheine jedoch im Gegensatz zu heute als Notgeld. Während des Ersten Weltkriegs und in den darauffolgenden Jahren bis zur sogenannten Hyperinflation 1923 kursierte reichsweit solches lokale Notgeld, häufig in Form von Gutscheinen. Auch in Wesel zahlten die Menschen mit den künstlerisch gestalteten Weseler Gutscheinen. Das Vertrauen in das offizielle Geld des damaligen Deutschen Reichs schwand während der Kriegsjahre zunehmend. Immer mehr Menschen horteten Kleingeld (Münzen), da der Materialwert den Nominalwert überstieg. Zudem benötigte die Kriegsindustrie Metall, wodurch es zu einem erheblichen Mangel für die Herstellung von Kleingeld kam. Vielerorts ersetzten Gutscheine das Geld. Allerdings entwickelte sich das Geschäft mit den Geldmarken zu einer Blase. Aus den anfänglichen Pfennig-Beträgen wurden Billionen-Mark. In drei Weseler Druckereien wurden auf Hochtouren zahlreiche Gutscheine gedruckt. Den Höhepunkt dieses „Eldorados des Geldprägens“, das auch durch den „Ruhrkampf“ befeuert wurde, markierte in Wesel der Fünf-Billionen-Mark-Gutschein. Noch 1923 wurde der Widerstand im von Franzosen besetzten Ruhrgebiet abgebrochen. Die Regierung um den damaligen Reichskanzler Gustav Stresemann beschloss, eine umfassende Währungsreform umzusetzen. So wurde die Deutsche Rentenbank gegründet und mit ihr die Rentenmark als Zahlungsmittel der Deutschen eingeführt. Mit dem neuen Geld verschwanden die zahlreichen lokalen Währungen. Auch in Wesel wurde das eigene Weseler Zahlungsmittel, der Weseler Stadtgutschein, ersetzt. Über 100 Jahre später widerfährt dem städtischen Gutscheinsystem eine Renaissance. Der Hintergrund ist ein anderer, doch die Kernidee, den Menschen und dem Handel vor Ort zu helfen, ist die gleiche.

Wer den Weseler Stadtgutschein des 21. Jahrhunderts haben möchte, kann diesen derzeit in der Hauptstelle der Niederrheinischen Sparkasse RheinLippe in Wesel (Bismarckstraße 1, 46483 Wesel) oder nach Terminvereinbarung (telefonisch unter 0281/203-2622) bei der Stadtinformation Wesel (Großer Markt 11, 46483 Wesel) sowie bei der WeselMarketing GmbH (Großer Markt 9, 46483 Wesel) erwerben. Ebenfalls kann der Stadtgutschein auf der Internetseite www.stadtgutschein-wesel.de online bestellt werden. Zudem finden Interessierte dort viele weitere Informationen zum bezuschussten Gutscheinsystem in Wesel.