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30 Jahre Deutsche Einheit – 30 Jahre Freundschaft zwischen Baumkuchen und Rhein

Bürgermeisterin Ulrike Westkamp sitzt auf der Baumkuchen-Bank vor dem Ratssaal

Wo einst Kaiser Wilhelm I. durch die Gassen schritt, zieht es heute Touristen aus der ganzen Welt zur Baumkuchen-Fabrik in die Hansestadt Salzwedel. Begehrter noch als warme Semmel reihen sich die Menschen vor den Salzwedeler Baumkuchen-Geschäften. Die alte Hansestadt mit ihrer Baumkuchen-Tradition liegt im Nordwesten Sachsen-Anhalts. Vor 30 Jahren gingen auch in Salzwedel die Menschen auf die Straße, um friedlich für einen Wandel zu demonstrieren. Die „friedliche Revolution“ gipfelte 1990 in der Deutschen Einheit. Mit der Einheit vor 30 Jahren schlossen die beiden Hansestädte Wesel am Rhein und Salzwedel eine Städtepartnerschaft. Am 16. November 1990 unterzeichneten die damaligen Bürgermeister Norbert Hundt (Salzwedel) und Wilhelm Schneider (Wesel) im Weseler Rathaus die Urkunde zur Städtepartnerschaft.

In den darauffolgenden Monaten half Wesel seiner Partnerstadt beim Aufbau der neuen Verwaltungsstrukturen. Zudem wurden Medikamente und Verbandsmaterialien sowie Ausrüstung für die Feuerwehr bereitgestellt. Und als die Telefonverbindungen noch nicht den heutigen Stand hatten, half auch ein Funktelefon über Kommunikationsprobleme hinweg.

Viele Touristen reisen gerne nach Salzwedel, um die Landschaft und die Tradition des Fachwerkes zu bestaunen. Versüßt wird der Aufenthalt durch leckeren Baumkuchen.

„Bei unseren gegenseitigen Besuchen tauschen wir uns über die Entwicklungen in unseren Städten aus. Wie in Salzwedel ist auch in Wesel der Gedanke der Hanse stark verwurzelt. Und natürlich darf nach jeder Reise aus Salzwedel kein Baumkuchen fehlen“, sagt Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Sie bedauert, dass in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie die Hansefeste in Salzwedel und in Wesel ausfallen mussten. Auch der geplante Empfang anlässlich des 30-jährigen Bestehens im Weseler Rathaus wurde abgesagt. „Ich hoffe, dass wir schon bald unsere Freunde in Salzwedel wiedersehen. Ich bin froh, dass wir uns zumindest ab und zu am Telefon austauschen können und uns im Februar dieses Jahres zur Gedenkveranstaltung „Nie wieder Krieg“ in Wesel sehen konnten. Neben Bürgermeisterin Sabine Blümel waren auch Vertreterinnen und Vertreter aus den anderen Partnerstädten nach Wesel gekommen“, ergänzt die Bürgermeisterin.

Regelmäßig besuchen sich Delegationen der Städte zu unterschiedlichen Anlässen. 2015 lud die Stadt Wesel eine Delegation aus Salzwedel zum Empfang anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft in das Rathaus Wesel ein. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp erinnerte in ihrer Rede an die Anfänge der Partnerschaft. Zudem betonte sie, dass Wesel und Salzwedel viele Gemeinsamkeiten verbinden. „Aus den Anfängen der Partnerschaft seien inzwischen Freundschaften fürs Leben entstanden“, so die Bürgermeisterin. Der damalige stellvertretende Bürgermeister von Salzwedel, Andreas Vogel, rief in seinem Grußwort die ersten gemeinsamen Projekte sowie gegenseitige Besuche in Erinnerung. So stellten zum Beispiel Salzwedeler Künstler/innen in Wesel aus. Die Jugendfeuerwehren von Wesel und Salzwedel besuchten zusammen die gemeinsame Partnerstadt Felixstowe. 1994 schloss auch Salzwedel auf Initiative von Wesel eine Städtepartnerschaft mit der britischen Hafenstadt Felixstowe. Daneben tauschten sich Chöre, Kegelvereine und Jugendmannschaften von Sportvereinen aus.

Die Stadt Salzwedel bedankte sich für die Einladung und schenkte der Stadt Wesel zum 25-jährigen Jubiläum eine massive, aus hochwertigem Holz gefertigte „Baumkuchen-Bank“. „Freundschaft ist oft eine sichere Bank in Zeiten voller Herausforderungen“, sagte Vogel in seinem Grußwort. Dass die Herausforderungen durch die Corona-Pandemie so groß werden sollten, war nicht abzusehen. Die Bank wurde von den Salzwedeler Baumkuchenherstellern gefördert. Bis heute hat sie einen Ehrenplatz vor dem Ratssaal im Weseler Rathaus. Sie steht sinnbildlich für die Freundschaft zwischen den beiden Hansestädten, „auf die wir alle gerne setzen“, so abschließend Andreas Vogel.