Inhalt

125. Geburtstag von Eva Brinkman - Eine Künstlerin aus Wesel mit der Gabe, einem Klotz Muschelkalk Leben einzuhauchen

Eva Brinkman bei der Arbeit an der Trauernden Vesalia für das Bombenopfer-Feld im Garten Hansaring Nr. 5 im Jahre 1952.
Eva Brinkman bei der Arbeit an der Trauernden Vesalia für das Bombenopfer-Feld im Garten Hansaring Nr. 5 im Jahre 1952. Quelle: Stadtarchiv Wesel

Eva Brinkman prägte fünf Jahrzehnte das künstlerische Leben in Wesel und am Niederrhein mit ihren Bildern, Zeichnungen und in besonderem Maße mit ihren Werken der Bildhauerei.

In den Nachkriegsjahren nach 1945 entstand wohl das bekannteste Werk von Eva Brinkman, „die Trauernde Vesalia“. Seit 1953 erinnert sie auf dem Caspar-Baur-Friedhof an die Bombenopfer des Krieges.

Wer war Eva Brinkman und was mag sie dazu veranlasst haben, eine Skulptur zu erschaffen, die die Trauer einer ganzen Stadt widerspiegelt?

Biografie einer selbstbestimmten Künstlerin

Am 12. Oktober 1896 wurde Eva Anna Natalie Brinkman in Wesel geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters 1903 (Dr. jur. Ludwig Brinkman, Bürgermeister von Karlshafen an der Weser) lebte Eva mit ihrer Mutter (Gertrud Brinkman geb. Nimtz) zwei Jahre in Berlin. 1905 zogen sie nach Wesel zu ihrer Großmutter in die Hafenstraße. Vier Jahre später bezogen Mutter und Tochter ihr neuerbautes Haus am Hansaring.

Von 1905 bis 1912 besuchte Eva das Lyzeum in Wesel und anschließend eine Haushaltsschule in Bonn. Dort freundete sie sich mit Hulda Droste an, der späteren Ehefrau von Otto Pankok.

Gerne hätte die begabte junge Frau die Kunstakademie in Düsseldorf besucht. Doch zu dieser Zeit durften keine Frauen an der Akademie studieren. Stattdessen besuchte Eva eine Malklasse der Kunstgewerbeschule. In den Fächern Zeichnen und Malen zeigte sich die besondere Begabung der Künstlerin. Dort wurde ihr Interesse an der Bildhauerei geweckt.

Bereits 1918 stellte Eva Brinkman bei einer Gruppenausstellung in Wesel ihr Können unter Beweis.

1920 ging sie nach Bad Warmbrunn, im damaligen Schlesien, um sich im Handwerk der Bildhauerei weiterzubilden. Drei Jahre später zog es sie für ein Jahr als Restauratorin nach München. Zurück in Wesel stellte sie in Duisburg aus und reiste 1928 nach Berlin. Gemeinsam mit ihrem Schüler und Mäzen, Dietrich Krieger, reiste sie nach Paris. Erneut zurück in Wesel, stellte sie die dort entstandenen Zeichnungen aus. Es folgten zahlreiche Reisen nach Schweden, Dänemark und in die Niederlande.

Besondere Verbundenheit zur Heimatstadt

Eva Brinkman gehörte, zusammen mit Dietrich Krieger, August Oppenberg, dem Malerehepaar Maria Buschmann-Scherman und Artur Buschmann sowie der Fotografin Hilde Löhr, zu den Gründungsmitgliedern der „Vereinigung Niederrheinischer Künstler und Kunstfreunde“.

Die Vereinigung organisierte mehrere Ausstellungen im Herzogsschloss, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde – später wurde auf dieser Fläche das „Centrum“ (Standort der Stadtbücherei und VHS) errichtet. 

Im Februar 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde die Stadt Wesel zu 97 Prozent zerstört. Die Bilder der zerstörten Hansestadt Wesel sind vielen Menschen immer noch im Gedächtnis. Wesel wurde in Schutt und Asche gelegt und viele Menschen verloren ihr Leben.

Eva Brinkman, die den Ersten und den Zweiten Weltkrieg miterlebte, war dabei, als Wesel zerstört wurde.

Die Kriegsgräber auf dem Caspar-Baur-Friedhof sind heute stumme Zeugen der Weseler Geschichte.

Es waren Bekannte, Nachbarn und vielleicht Freunde von Eva Brinkman, die ihr Leben bei der Bombardierung verloren. Diese Ereignisse hinterließen einen prägenden Eindruck bei der Künstlerin.

Das vielleicht bekannteste Werk Brinkmans ist die überlebensgroße Skulptur der „Trauernden Vesalia“, die ihren kummererfüllten Blick auf die zahlreichen Kreuze der Bombenopfer richtet. Sie ist ein personifiziertes Symbol der Klage über Tod und Vernichtung, ein Mahnmal an eine der schwersten Stunden dieser Stadt.

Ihr zerstörtes Wohnhaus am Herzogenring baute Eva Brinkman wieder auf. Es verfügte seit 1950 über eine eigene Werkstatt. Fünf Jahre später musste sie ihr Heim verlassen, da dort der große sogenannte „Mercedes-Stern“ mit vielen Wohnungen gebaut wurde. Sie fand „Am halben Mond“ zusammen mit ihrer Freundin Käthe Pommer ein neues Zuhause. Dieses Haus war ideal auf die Bedürfnisse der Künstlerin zugeschnitten.

Die Künstlerin hat an zahlreichen Gebäuden in Wesel gestalterische Akzente gesetzt. Das Stifterrelief kann am Willibrordi-Altenheim bewundert werden. Für den wieder aufgebauten Willibrordi-Dom gestaltete sie die bronzenen Türgriffe mit biblischen Figuren. Eindrucksvoll ist ebenfalls das Kriegerdenkmal neben der Kirche am Lauerhaas in Wesel-Obrighoven, welches am 26. Juni 1955 enthüllt wurde. Rund 1000 Bürger*innen waren bei diesem feierlichen Akt dabei.

Am 12. Dezember 1977 starb Eva Brinkman in Wesel.

Als besondere Wertschätzung wurde 1992 in Wesel-Fusternberg eine Straße nach der Künstlerin, die Eva-Brinkman-Stege, benannt.

In der Broschüre „WEGgefährtinnen der Stadt Wesel“ wird Eva Brinkman als eine von 33 Frauen, nach denen eine Straße in Wesel benannt wurde gewürdigt. Die Broschüre ist 2020 erstmals erschienen. Sie ist kostenlos erhältlich in der Stadtinformation (Großer Markt 11, 46483 Wesel) und im Rathaus, Gleichstellungsstelle vor Zi. 116 (Klever-Tor-Platz 1, 46483 Wesel). Sie kann auch unter "Links" digital heruntergeladen werden.

Kontakt